Glück im Unglück

Explosion auf Raffineriegelände

Als am vergangenen Samstag, den 01.09.2018, gegen 05:15 Uhr ein unwahrscheinlich lauter Knall vermutlich unsere gesamte Bevölkerung aus dem Bett riss, war uns noch nicht klar, dass wir an einer Katastrophe knapp vorbeigeschrammt sind. Ich erlaube mir deshalb nochmals ein paar persönliche Sätze an Sie zu richten und damit auch zur Aufklärung beizutragen.

Vermutlich jeder Bürger konnte sofort feststellen, dass es zu einem Großbrand auf dem Raffineriegelände gekommen ist. Weithin sichtbar schlugen Flammen 50-60 Meter hoch in die Luft. Unsere anrückenden Feuerwehreinsatzkräfte mussten sich aus Sicherheitsgründen zurückziehen. Es wurde unverzüglich am Rasthof der Gaststätte „Haberfelder“ ein Krisenstab mit Einsatzzentrale eingerichtet. Bereits in kurzer Zeit sammelten sich ca. 600 Rettungskräfte (Feuerwehren, BRK, THW, Polizei und Notärzte) an der Einsatzzentrale. Gegen 06:30 Uhr löste der stellvertretende Landrat Anton Westner den Katastrophenfall aus.

 

Bei Einbruch des Tageslichts konnte man dicke schwarze Rauchwolken über Irsching, Knodorf in Richtung Ernsgaden und Manching ziehen sehen. Da nicht bekannt war welche giftigen Stoffe freigesetzt wurden entschlossen wir uns, die Ortsteile Irsching und Knodorf und den westlichen Bereich der Donaustraße zu evakuieren und somit zunächst sicherzustellen, dass eine weitere Gefährdung ausgeschlossen werden kann. Problematisch stellte sich in den Morgenstunden die Sicherung der sich in der Nähe befindlichen Gastanks dar. Eine Evakuierung der gesamten Bevölkerung wurde im Krisenstab diskutiert und die Vorkehrungen mit den Nachbarkommunen, die uns für diesen Fall sofort ihre Turnhallen zur Verfügung gestellt hätten, wurden unsererseits bereits getroffen. Hierfür gilt mein Dank den Bürgermeisterkollegen in der weiteren Umgebung.

Erst kurz vor Eintreffen des Innenministers Joachim Herrmann und des Umweltministers Dr. Marcel Huber gegen 10:00 Uhr war sichergestellt, dass der „Worst Case“, der eigentlich gar nicht vorstellbar ist, ausgeschlossen werden konnte.

Ganz ehrlich gesagt wird es Ihnen genauso gehen, wie es mir gegangen ist und uns allen große Steine vom Herzen gefallen sind, so dass ich tatsächlich vom „Glück im Unglück“ sprechen kann.

Nach jetzigem Stand befanden sich zum Unglückszeitpunkt ca. 35 Personen auf dem Betriebsgelände, welches derzeit wie ein Schlachtfeld aussieht. 15 Personen erlitten teils schwere, mittlere und leichte Verletzungen. Gott sei Dank mussten keine Toten beklagt werden, was nicht nur für mich sondern für alle der erfreulichste Aspekt dieses Katastrophenfalls sein dürfte.

 

Sachschäden kann man ersetzen, Menschenleben jedoch nicht!

 

Als Fazit kann gesagt werden, dass Schäden unterschiedlicher Größenordnungen im Bereich unserer Stadt, insbesondere in Irsching und Knodorf verursacht wurden.

In einem persönlichen Gespräch mit den beiden Geschäftsführern Karl Strummer und Michael Raue bat ich diese Verantwortlichen, dass offen und ehrlich mit der ganzen Angelegenheit umgegangen wird. Dies bezieht sich auch auf einen transparenten Umgang mit den Untersuchungsergebnissen zu der Unglücksursache. Ich bitte um Verständnis, dass ich über die Ursache zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Auskunft geben kann.

Des Weiteren habe ich die Geschäftsführer gebeten - aber auch eingefordert, dass die entstandenen Sachschäden schnell und unbürokratisch durch das Werk zu regulieren sind. Beide Geschäftsführer sicherten mir persönlich zu, dass den Forderungen und Bitten nachgekommen wird, sodass unsere Bürgerinnen und Bürger sich nicht unter Umständen mit Versicherungen und Gutachtern herumschlagen müssen. Bitte dokumentieren Sie mittels Fotos und anderem Ihre Schäden und reichen Sie diese schriftlich an

 

Raffineriegesellschaft mbH
Postfach 1252
93328 Neustadt

 

ein. Damit ist auch sichergestellt, dass Sie, liebe Mitbürger, wenigstens Ihre Sachschäden ersetzt bekommen.

Ich möchte es an dieser Stelle nicht versäumen, mich bei allen eingesetzten Hilfskräften, insbesondere Feuerwehr, BRK, THW und Polizei aufs herzlichste für Ihre großartige Arbeit und Hilfe für uns alle zu bedanken. Die Zusammenarbeit im Krisenstab zwischen den einzelnen freiwilligen Hilfsorganisationen sowie den Behörden Polizei und Landratsamt Pfaffenhofen, insbesondere dem stellvertretenden Landrat Anton Westner, war sehr vorbildlich und zeigte deutlich auf, dass die jährlich angesetzten Katastrophenschutzübungen Ihre Wirkung nicht verfehlen.

Ein großes Dankeschön geht an die Metzgerei Pauleser, die Bäckereien Pöppel, Hackner und Sipl sowie allen anderen Spendern für die Verpflegung und die Hilfsangebote.

Nicht zuletzt möchte ich mich bei Ihnen, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, ganz herzlich bedanken, dass Sie alle in dieser äußerst kritischen Situation und Lage Ruhe bewahrt haben.

 

Ihr 1. Bürgermeister

 

Martin Schmid